Making of: Süssweine

Spätlesen

Betriebshistorisch gesehen wahrscheinlich das wichtigste Segment des gesamten Portfolios.

Wie bei den meisten Ruster Betrieben in den 80er Jahren das häufigste Produkt.

Bedingt durch die günstigen klimatischen und topografischen Grundvoraussetzungen war und ist es kein Problem aus welcher Sorte auch immer Spätlesen mit „Understatement“ zu erzeugen. Es gab Jahrgänge, in denen 80% oder mehr der Triebaumer’schen Produktion aus Auslesen bestand, die meist in einem Anflug von Bescheidenheit und Stolz zugleich als Spätlesen tituliert wurden.

Als sentimentaler Favorit darf die Traminer Spätlese gelten, die seit 1890 in einer Reihe durchproduziert wird. Stets als „klassische“ Spätlese, soll heißen: eher leicht im Alkohol, deutlich restsüß, fruchtig, leichtgängig – Einstiegsdroge. In dieser nunmehr fast 40-jährigen Tradition gibt es nur zwei Ausreißer. 2003, mit dem Versuch einer sehr kräftigen, trockenen Spätlese elsässischen Stils, die sich nur sehr schleppend verkaufte. 2014, als der Traminer mit seinen rot pigmentierten Beerenhäuten die Hauptattraktion für die Unmengen von Fraßinsekten, die es in diesem äußerst herausfordernden Jahrgang gab. Dazu kam dann noch ein 200 mm Regenguss unmittelbar vor der Ernte…

Auch der Chardonnay, die vielfältigst einsetzbare Rebsorte der Welt, stand längste Zeit im Spätlese-/ Auslese-Fokus. Und dort steht der edle Chardonnay noch immer!

Für beide Spätlesen gilt das grundsätzliche Bestreben, im botrytisfreien Traubenzustand zu ernten, um eine klare Frucht zu erzielen.

Allfällige edelfaule Trauben bleiben hängen für höhere Prädikatsstufen.

Die Vergärung erfolgt mit Reinzuchthefen, weil es bei dem hochreifen Material um Schnelligkeit und Sicherheit geht. Keine andere Weinkategorie ist auf Fehltöne und Nachgärung anfälliger als die „kleinen Prädikate“.

Abgefüllt werden die feinen Fruchtschmeichler stets vor der warmen Jahreszeit, damit eben nichts passiert.

Ein genereller Vorteil von restsüßen Weinen, wir reden hier von Stahltank ausgebauten, weißen Weinen, ist die lange Lagerfähigkeit.

Sie können ganz jung getrunken werden, stellen aber auch noch nach Jahrzehnten eine ehrwürdige Köstlichkeit dar.

Erst recht in der kulinarischen Anwendung!

Selbst der anspruchsvolle Rotschmierkäse à la Époisses oder Taleggio, der mit jedem trockenen Weiß- oder Rotwein bitter wirkt, ergibt mit einer klassischen Spätlese eine unglaublich cremige Harmonie.

Auch für scharfe und intensive Gewürze, etwa Curry, Kreuzkümmel und dergleichen, Gänse- oder Entenlebergerichte, fruchtige Desserts oder alsfruchtiges Dessert, gibt es nur eine Wahl: die altbewährte Ruster Spätlese, die eigentlich immer eine Auslese ist.

 

Beerenauslese

Die Analysedaten der letzten 20 Beerenauslesen unseres Betriebes sprechen eine eindeutige Sprache: sie sind vor dem Gesetz alle schon auf Ausbruchniveau gewesen. Das Ausgangsmaterial ist schon zum größeren Teil botrytisbefallen und eingetrocknet.

Was die Rebsortenwahl betrifft, gibt es keine eindeutige Festlegung. Oft ist es der Chardonnay, manchmal auch Gelber Muskateller, Welschriesling, Sauvignon blanc, teilweise auch eine Cuvée davon. Stets von den Schieferverwitterungsböden des 20 Millionen Jahre alten Ruster Schotters.

Handgeerntet, fein ausselektioniert und stahltankvergoren sind die Beerenauslesen von Günter und Regina Triebaumer echte Preis-/Leistungsgranaten, die zwar, was das Renommee angeht im Schatten des immerjungen, altehrwürdigen Ruster Ausbruchs stehen, aber dennoch unverzichtbar bleiben

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