Kühles Aromenwunder

Der „Obere Wald“ in den Hügeln hinter Rust am Neusiedler See ist nach Süden geneigt und empfängt Sonne im Übermaß. Dennoch kommt von dort ein kühler Blaufränkisch, der in Prägnanz und aromatischer Tiefe seinesgleichen sucht. Der Blaufränkisch Oberer Wald 2019 von Regina und Günter Triebaumer ist ein Paradoxon – und ein perfekter Wein für lange Winterabende.

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Die malerischen Weinlagen in Rust am Neusiedlersee könnten nicht besser liegen, denn mit dem Wald im Rücken und Blick auf den See, wird die Entwicklung der kühlen Aromen in den Trauben optimal gefördert. © Weingut Triebaumer

Im Glas wird klar: Hier ist Regina und Günter Triebaumer etwas ganz Besonderes gelungen. Ein intensiver Duft nach Weichseln, schwarzen Kirschen und Brombeeren, dazu kommen Kräuternoten nach Minze und Rosmarin, etwas pfeffrige Würze, nach einer Weile gesellt sich dunkle Schokolade dazu. Am Gaumen zeigt sich der Wein saftig, die Fülle erhält Struktur und Rückgrat durch elegant feinkörniges Tannin. Die Aromen klingen lange nach und hinterlassen den Eindruck von kühler Eleganz. „Er ist ein Geschenk der Natur“, bringt es Günter Triebaumer auf den Punkt.

Von Muschelresten oder versteinerten Korallen

Tatsächlich ist der Blaufränkisch Oberer Wald 2019 durch und durch vom Terroir geprägt. Der Boden dieser außergewöhnlichen Lage besteht überwiegend aus Kalksandstein und Muschelkalk – immer wieder stößt man beim Bearbeiten der Scholle auf fossile Muschelreste oder versteinerte Korallen. „Hier war vor 300 Millionen Jahren der Sandstrand eines Meeres“, sinniert Regina Triebaumer, „eine faszinierende Vorstellung.“

Dieses extrem kalkige Terroir sorgt für gute Entwässerung und regt die Rebstöcke an, tiefe Wurzeln zu bilden. Die Weine entwickeln dichte Opulenz und eine einzigartige salzig-mineralische Note, sie unterscheiden sich dadurch deutlich von Blaufränkisch-Weinen, die beispielsweise auf Schieferböden gewachsen sind.

Eine Besonderheit des Oberen Walds liegt darin, dass sich der Hang nicht ostwärts zum See neigt, wie bei fast allen anderen Ruster Lagen, sondern zur Gänze nach Süden. Obwohl er auf diese Weise besonders viel Sonne erhält, fallen die Weine hier keineswegs heiß und schwer aus, sondern entwickeln eine kühle Aromatik. Das liegt zum einen daran, dass die thermische Wirkung des Sees hier weniger spürbar wird, zum anderen an der guten Luftzirkulation – die Reben werden buchstäblich durchlüftet.

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© Steve Haider

OWo und OWu

Regina und Günter Triebaumer bewirtschaften 1,71 Hektar dieser insgesamt 65 Hektar großen Lage, ihr Weingarten teilt sich in zwei große Parzellen. Betriebsintern heißen sie leicht ironisch „OWo“ (Ober Wald oben) und „OWu“ (Oberer Wald unten).

Diese Weingärten kamen erst relativ spät ins Triebaumer-Portfolio, sie wurden 2005 (OWu) und 2007 (OWo) neu bepflanzt, die erste Ernte konnte 2009 eingebracht werden.

Sie wurde sofort zum durchschlagenden Erfolg, der Wein erhielt höchste Bewertungen, die sich Jahr für Jahr wiederholten und sogar noch steigerten.

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© Weingut Triebaumer

Winterlicher Genuss

Die Trauben für diesen Wein werden selbstverständlich händisch geerntet. Danach gärte der Wein zwei Wochen im geschlossenen Stahltank auf der Maische und wurde dann in 300-Liter-Fässern ausgebaut. Durch seinen kühlen, dunklen Fruchtschmelz ist der Wein schon jetzt mit großem Genuss zu trinken, er bringt aber auch das Potenzial für viele Jahre spannender Entwicklung mit, wie die Erfahrung mit gereiften Weinen früherer Jahrgänge zeigt.

Mit seiner vielschichtigen Aromatik und der selbstbewussten Präsenz, empfiehlt sich der Blaufränkisch Oberer Wald 2019 als perfekter Begleiter zum Gänsebraten, zu Steaks, Wildgerichten und geschmortem Lamm. Man kann ihm aber auch gern als Solisten die Bühne allein überlassen und einfach einen gemütlichen Abend mit ihm verbringen. Un vino per la filosofia, wie die Italiener sagen…

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