Das Kleinod vom Neusiedlersee

Die Furmint-Rebe ist seit dem 15. Jahrhundert am Neusiedler See heimisch. Doch so kostbar und individuell sie ist, so selten tritt sie in Erscheinung. Furmint: Eine immer noch oft übersehene Wein-Spezialität gelangt mit dem Furmint Geyerumriss 2019 zu neuen Höhen. Denn das Winzerpaar Günter und Regina Triebaumer aus Rust, seit langem als profunde Kenner dieser Rebsorte bekannt, füllen zum ersten Mal einen Furmint aus einer Einzellage in die Flasche.

Rarität aus Rust. Mit dem Furmint Geyerumriss 2019 zeigen Regina und Günter Triebaumer was die Furmint-Traube wirklich kann. © Steve Haider

Dass die Lage ganz wesentlich über den Charakter des Weines entscheidet, wusste man am Neusiedler See immer schon. „Der Furmint muss den See spüren“ – so lautet eine alte Redensart in Rust, dem idyllischen Städtchen am Westufer des Sees, gleichzeitig heimliche Furmint-Hauptstadt und eine der spannendesten Weinregionen Österreichs.

Furmint hat hier schon früh seine zweite Heimat gefunden, neben der Region Tokaj, von der die Traube ursprünglich stammt. Von den insgesamt 12 Hektar Anbaufläche in Österreich liegen 11 Hektar in Rust. Der Schieferboden, gepaart mit dem speziellen Mikroklima so nahe am Neusiedersee schaffen ideale Bedingungen. Eine kleine Riede ragt hier noch einmal als besonders bevorzugt heraus: die Lage Geyerumriss, 0,5 Hektar groß. „Die Zeit ist reif“, sagt Günter Triebaumer, „wir wissen, dass Furmint etwas für Liebhaber ist und wohl immer ein Spezialitätenprogramm bleiben wird. Aber wir wollen zeigen, was diese Traube wirklich kann.“

Furmint Geyerumriss

Woher der Name Geyerumriss kommt, blieb bisher unerforscht. Auch die angrenzende Parzelle, die schlicht „Geyer“ heißt, gibt den Heimatforschern Rätsel auf. Seine Vorzüge für den Weinbau hat dieser Flecken Land hingegen in vielen Jahren sichtbar unter Beweis gestellt. Die Riede liegt im Westen von Rust, Richtung St. Margarethen, mit prachtvollem Blick auf die Ruster Bucht. Der Boden besteht aus Schieferverwitterungsgestein ohne jeglichen Kalkanteil.

Die Riede Geyerumriss liegt westlich von Rust. Hinter der Kuppe eröffnet sich ein wunderbarer Blick auf den Neusiedersee.

Ein Herkunftswein par excellence

Schon im Jahr 1987 setzte Günter Triebaumers Vater Paul hier Furmint. Günter und Regina Triebaumer sind sich der Einzigartigkeit des Terroirs bewusst: Wie eine Arena spannt sich ein Halbrund rollender Hügel aus Glimmerschiefer um das Seeufer, gekrönt von Wäldern. Die große Wasserfläche des Sees sorgt für ausgeglichene Temperaturen und für Feuchtigkeit auch in trockenen pannonischen Sommermonaten. Von der Spitze der Hügel strömt in der Nacht kühle Luft herab. So entsteht ein Mikroklima, das auf der Welt nicht seinesgleichen hat.

Furmint Geyerumriss 2019 – ein Wein für Kenner

Furmint war immer schon ein Wein für Kenner und für engagierte Sommeliers, die nicht müde wurden, ihren Gästen die Vorzüge dieser Rebsorte zu empfehlen. Manche assoziieren mit dem Namen Furmint Süßwein, denn früher wurde die Traube fast ausschließlich mit restsüß bzw. aus Botrytistrauben vinifiziert. Diese edelsüßen Perlen gibt es immer noch, ­­doch entdecken Winzer wie Weinliebhaber immer öfter die trockenen Spielarten. Günter Triebaumer ist einer der wenigen Winzer, der diese Sorte pflegt und die Besonderheiten versteht. „Mit dem Furmint sind wir überall die einzigen“, berichtet der Winzer, „und überall erregen wir Aufmerksamkeit.“

Furmint Geyerumriss 2019: Ein vielschichtiges Bukett von Früchten strömt in die Nase – Birne, Topaz-Apfel, Quitte, ein Hauch von Grünem Tee. Auch am Gaumen zeigt sich gelbefruchtige Saftigkeit, dazu gesellt sich eine pikante Würze. Die prickelnde Säure verleiht ihm innere Spannung und Präzision, der Wein wirkt wie aus Marmor gemeißelt. Mit diesen Eigenschaften überzeugt er als Begleiter zu Meeresfrüchten, zu Huhn, zu Pilzen oder auch zu Ziegenkäse.

Eine Flasche Triebaumer Ried Geyerumriss vor dem Neusiedlersee

"Der Furmint muß den See spüren", so lautet eine alte Ruster Redensart. © Steve Haider

Furmint – eine wechselvolle Geschichte

Die Traube erlebte alle Höhepunkte und Rückschläge mit, die den österreichischen Weinbau in den letzten 150 Jahren erschütterten. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts war Furmint die meist angebaute Sorte in Rust. Mitte der 1980er-Jahre waren gerade noch 2 Hektar mit Furmint-Reben bestockt. Die Sorte reift spät und neigt zur Edelfäule, was hohe Präzision erfordert, wenn man ihn trocken vinifizieren will. Die meisten Produzenten entschieden sich früher der Natur ihren Lauf zu lassen. Erst in jüngerer Zeit interessieren sich wieder mehr Winzer für den trockenen Ausbau.

Die Kernkompetenzen von Rust

Das Städtchen Rust genießt eine ganz spezielle Lage. Die Stadt liegt direkt am Neusiedlersee, der das pannonische Klima mit seinen trockenen Sommern und seinem langen Herbst moderierend beeinflusst. Die Weinberge umgeben Rust wie eine Arena – die tieferen Stufen des Amphitheaters sind ideal für Süßweine geeignet, weil hier die Feuchtigkeit des Sees für die edle Botrytis sorgt. Die höheren Lagen sind trocken, windexponiert und daher kühler, hier z.B. trifft unter anderem – aber nicht nur – auch der Blaufränkisch gute Voraussetzungen. Die Mitte des Hangs ist die Heimat des trockenen Furmint – genau hier befinden sich auch die Lagen Geyerumriss und Plachen.

Günter und Regina Triebaumer

Wer an das leidenschaftliche Winzerpaar aus Rust denkt, dem fallen vermutlich zuerst die würzigen Blaufränkisch-Weine ein, mit denen sich die Triebaumers einen Namen gemacht haben. Günter und Regina haben sich aber auch um die Wiederbelebung des Ruster Ausbruchs verdient gemacht, eine Süßwein-Spezialität, die ebenfalls in Vergessenheit zu geraten drohte. Das Ehepaar bewirtschaftet insgesamt 24 Hektar, die sich auf 45 Parzellen verteilen. Die unverwechselbaren Charaktereigenschaften der verschiedenen Rieden wollen die beiden in die Flasche bringen, weshalb sie ihre Weinberge mit liebevoller Hingabe pflegen und buchstäblich jedem Weinstock seine individuellen Eigenheiten lassen. Deshalb hegen die Triebaumers eine Vorliebe für jene Weinliebhaber, die sich den Sinn für handwerkliche Qualität bewahrt haben. „Wir erzeugen nicht für alle“, sagt Günter Triebaumer selbstbewusst, „sondern für die, die ehrliche, solide und regionale Bauernarbeit schätzen. Wir kommunizieren offen und einfach. Alles, was wir tun und was unsere Weine offenbaren, können wir auch erklären und begründen.“

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Powercouple Regina und Günter Triebaumer in einer der kleinen Gassen des idyllisch gelegenen Städtchens Rust am Neusiedlersee. © Steve Haider

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